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Mittwoch, 19. Februar 2014

1. Teil des Google-Gesellschaftsspiels - Identitätssuche

Jasmine

Wir sehen auf unserem Blog in den Statistiken, über welche google-Suchbegriffe jemand auf unsere Seiten stösst. Jemand ist über den Begriff "rumpelstitzchen"zu uns gekommen, wobei mir also nicht ganz klar ist wieso. Aber macht nichts, herzlich willkommen, wieso auch nicht. Am meisten Besuch haben wir von "sechseläuten"-Googler_innen, dies rund 358 mal, oder dann von Begriffen wie "böögg" oder "sechseläuten zürich" u.ä., was nochmals ziemlich viele gibt. Evelynes Artikel generiert also viele Klicks für uns - jeeee, was will mensch mehr 2014, als viele Klicks, ja?!

Nun.
Ob die Sechseläuten-Suchenden tatsächlich davon lesen wollten, wie sexistisch dieser Brauch ist, sei mal dahingestellt. Aber einige Suchbegriffe lassen keinen Zweifel zu, dass sie sich unter den Totalqualitywomen eine ziemlich andere Homepage vorgestellt haben müssen:

"mandingo kampf" ist offenbar ein beliebter Suchbegriff und führte fast vierzig mal zu Evelynes Django unchained Artikel. Nur gabs dann da eine Filmkritik und keine tödlichen Kampfszenen.

und jemand hat "mädchen gequält" gegooglet und ist auf unseren Tatort-Artikel gestossen.

Ja.
Ich mag das eigentlich gar nicht gross interpretieren, ich mein, was gibts dazu zu sagen? Ausser vielleicht - haha, seid ihr blöderweise auf einem feministischen Blog gelandet... Ups. Habt ihr vielleicht etwas gelernt? (... *seufz* wohl eher sofort weggeklickt und die richtigen gewaltzelebrierenden Homepages angesteuert).
Das Internet ist ein so gütiger Ort. Da kann mensch nach absolut allem suchen. Google bewertet dich dafür nicht, nimmt dich nur in die Statistik auf.

89 zu 100 zu 0 zu 0 - gesucht am 16.2.14 auf google.ch

jetzt können diese Statistiken natürlich auch beliebig interpretiert werden, vielleicht waren die"porno"-Suchenden auch alles Feministinnen, das schliesst sich ja selbstverständlich nicht aus. Vielleicht sogar sex-positive, denen empfehle ich übrigens diesen Erika Lust Film als kleines Leckerli. Sehr schön gemacht und (naja ziemlich) queer:

http://vimeo.com/20054789 - enjoy!

ähm .. wo war ich? ah ja, bei Google und was da so gesucht wird, tagein tagaus. Jede_r darf jederzeit alles fragen, alles suchen, wonach das Herz begehrt, auch nach Gewalt und Erniedrigung, nach schlichtweg allem. Und Google zeichnet auf, speichert Suchbegriffe, gibt Hilfestellungen (meistens übrigens sehr mühsam, was es mir da immer so vorschlägt), was ich vielleicht wissen will, anhand davon, was andere schon wissen wollten.
Und so kann ich also sehen, was schon oft in zusammenhang mit einem bestimmten Wort gesucht wird.
suche ich z.B. "kühe", sehe ich, dass dieser Suchbegriff auf google.ch am häufigsten mit "kaufen", "melken", "verstehen" und "in der schweiz" zusammen gesucht wurde.


Das sagt also etwas aus. Unter anderem, dass es offenbar Google-Nutzer_innen gibt, die Kühe kaufen und melken wollen oder zumindest daran in irgendeiner Art und Weise interessiert sind, und dass es auch googlende Menschen gibt, die darum bemüht sind, Kühe verstehen zu wollen und solche, die an spezifischen Kühen, nämlich Kühen in der Schweiz, interessiert sind.

Ich habe euch nun eine komplett wertfreie, ja objektive, ja sogar wissenschftlich-erprobte-und-als-neutral-bewiesene Google-Begriffsvorschlags-Zusammenstellung gemacht, die vielleicht lehrsam, teilweise traurig, manchmal lustig und immer offen für ein breites Spektrum an Interpretationen ist.
It's the 21st century bitch, Google ist unser aller Spiegel.
Deswegen für heute die Identitätsfragen zu Beginn:






Ich bin eine Biene, du kein Werwolf, ihr Lichtwesen und sie das Essen und wir die Jäger.
Daraus liesse sich doch ein hübscher Phantasy-Roman basteln.
Mein Lieblings: "du bist du text" - an sich ein Gedicht.

Dann werde ich draufgängerisch und will es jetzt aber wirklich wissen, nicht nur wer ich persönlich bin, sondern wer ich im gesellschaftlichen Sinn bin. So, gesellschaftlich halt. Ihr wisst schon:

Was sind Menschen?


Bananen.
Dann Schweizer (unter Schweizerinnen gibts nix!)?

Deutsche.
Und Frauen?

hm... Alles? Nichts? unwichtig? uninteressant? nicht in Worte zu fassen?

Okay, und Männer?

hm. Auch eher mässig aussagekräftig.

Jetzt hatten wir Frauen, Männer, Menschen und Schweizer - fehlen noch die Äusländer (liegt ja auf der Hand):


Da sind also tatsächlich Leute vor dem Computer gesessen und haben "ausländer sind dumm" gegoogelt. Ich meine - ernsthaft. Was hatten die wohl zu finden gehofft?

Es wird aber ja gesagt, das Internet sei zur Bildung da. Und es gibt durchaus Begriffe, die sich nachzuschauen lohnen, wie beispielsweise:


Sexismus ist gut und Vergewaltigung ist schön.


Da fragt sich:
?
Oder glauben wir eher:

? (und sehen das oben als letztes Aufbäumen einer im Geiste stehengebliebenen, priviliegienverlierenden Gruppe?)

Das gebe ich uns allen mit, zum Nachdenken, oder auch nicht, alles schnelllebig heute, jedenfalls gehts bald heiter weiter im Google-Gesellschaftsanalyse-Spiel, mit lustigen Dingen wie Homosexualität und Gerechtigkeit, mit Religion und Zukunft.
Für heute - danke fürs Lesen.
Mensch findet diesen Artikel unter anderem unter den Labeln "Menschen sind wie Bananen", "das 21. Jahrhundert ist weiblich", und der massentauglichkeithalber auch unter "Porno".

seid gegrüsst!


Donnerstag, 6. Februar 2014

Zur Kampagne der Anti-Abtreibungs-Initiative vom 9.2.14

von Jasmine

Nein, nein, nein.










Zur Abstimmung vom kommenden Sonntag.
Ich habe ein kleines Bastelprojektchen vorgenommen: Habe die Plakate für ein Ja zur Abtreibung-selber-bezahlen-Initiative überklebt.
Ich bin mir bewusst, worum es den Initiant_innen tatsächlich geht: Frauen (das sind für diese Leute schlichtweg Menschen mit Gebärmüttern), die mit Männern (was anderes kommt ihnen ja eh gar nicht in den Sinn) sexuell aktiv sind zu beschämen und grundsätzlich über weibliche Körper zu entscheiden, letzlich auch darum "Frauen" zu Müttern zu machen, womit sie wiederum verknüpfen, dass "die Frau" dann kontrollierbar wird. und so weiter und so fort, bla, bla, langweilt mich. Ich mag das grad nicht in aller Ausführlichkeit schon wieder durechätsche.

hier alles nachzulesen:

http://www.nein-angriff-fristenregelung.ch/de/argumente.html

Und die Zeitung "vorwärts" hat sich die Mühe gemacht, mit Argumenten auf den Schwachsinn einzugehen - danke dafür!!, da könnt ihr also gerne nachlesen, warum unbedingt ein Nein eingelegt werden muss am Sonntag:

http://www.vorwaerts.ch/news/antifeministische-scharade/

Im Artikel führen die "vorwärts"-Menschen zwei Dinge an, die in dieser Initiative zusammenkommen:

1. die religiösen/ frauen*feindlichen/ heteronormativen/ rassistischen Argumente (schaut euch die schöne Weisse Mami-Papi-2 Kinder-Familie an, ist doch reizend), die immer die Grundlage der Anti-Abtreibungsdebatte bilden
- mit denen ich mich eben im Moment nicht auseinandersetzen mag, weil sie immer gleich und immer zum Kotzen sind und die Anti-Abtreibler eh nicht auf irgendwelche Diskussionen aus sind und meine Energie grad woanders benötigt wird (z.B. für die Lesungen, die ich plane, für die Vorbereitung aufs neue Semster, für die Auseinandersetzung mit Menschen, die tatsächlich ein Interesse an meiner Person haben, fürs Webserien schauen und fürs in der Sonne sitzen, Kaffeetrinken usw.) -

2. die neoliberalen Anti-Solidaritäts-Idee
Diese nutzen die Initiant_innen als Verschleierung der unter 1. angeführten Argumente, da mit jenen glücklicherweise momentan in der Schweiz keine Abstimmung gewonnen werden kann. Deshalb appelliert die Kampagne auch nicht offiziell an "Werte", sondern ans Portemonnaie.
"Ich will doch keine Abtreibungen mitfinanzieren wollen" steht da. Wenn mensch das nun ernst nimmt (und damit so tut, als würde mensch diese Argumentation als Hauptanliegen der Initiative glauben) heisst das, dass Menschen, die keine Abtreibungen brauchen, sich nicht an den Kosten derjenigen beteiligen wollen, die tatsächlich eine brauchen. Aha.

Da stellen sich doch einige Fragen:
A) es gibt noch viele Dinge, die ich persönlich nicht brauche, die aber andere brauchen und für die deswegen die Gemeinschaft aufzukommen hat, da sie dringend benötigt werden. Dabei geht es vor allem um medizinische Notwendigkeiten, wie es eine Abtreibung ist.
Also stelle mensch sich vor: Ich gehe Bergsteigen, breche mir den Arm, danach brauche ich eine Operation und einen Gips und mehrere Nachbehandlungen. Doch die Krankenkasse zahlt nicht, weil alle anderen keinen Bock haben, sich an meiner Gesundheit finanziell zu beteiligen. Kommt noch dazu: Ich habe das Risiko ja gesucht, schliesslich war ich Bergsteigen, also: selber Schuld!! Streichen wir doch grundsätzlich den Solidaritätsgedanken, jede_r bezahlt nur noch für sich selber - muss mensch halt schauen, nicht krank zu werden ohne ausreichend finanziellen Mitteln, sonst ists dann halt Pech.


und alles, was ich sicherlich nie brauchen werde, das will ich nicht mitfinanzieren und wenn es meinen Mitmenschen noch so hilft und wichtig ist für sie:















B) sogar wenn ich in dieser abstrusen Argumentation bleibe - sie geht noch nicht mal auf. Wird eine benötigte Abtreibung nicht bezahlt und somit eine Frau* dazu gezwungen, einen Fötus auszutragen, ergibt es viel grössere Folgekosten, als die einmaligen meist geringen Kosten (die meisten Abtreibungen werden ambulant mittels Einnahme von Medikamenten, sprich ohne operativen Eingriff vorgenommen). Und meine (rhetorische) Frage an die Initiant_innen/ Initiativbeantworter_innen: Wollt ihr diese Kosten dann übernehmen? Oder hörts da dann wieder auf, wie es der Mutter* geht, das ist euch ja eh scheissegal, aber sogar wenn dann ein Kind da ist, ist es plötzlich nicht mehr in eurer Verantwortung dafür zu sorgen, dass es aufwachsen kann:






mühsame Sache, dass wir soziale Wesen sind, die sich gegenseitig helfen müssen. Es wäre viel bequemer, jene in Not einfach da zu belassen, vor allem dann, wenn ich mich auf der sicheren Seite wähne, dass ich selber nie (diese konkrete) Hilfe brauchen werde.
Ja.. soviel dazu.

Ich schliesse mit den Worten einer Freundin, die die neoliberale Anti-Abtreibungs-Idee folgendermassen zusammengefasst hat:
Für Schlampen (die ungewollt Schwangeren) und Psychos (alle Beteiligten, die Folgeschäden von erzwungenen ausgetragenen Schwangerschaften davontragen - allen voran die Kinder, die die Föten dann sind) zahle ich nicht. Denn mit denen kann ich mich nicht identifizieren.
(Aber vorschreiben, was sie zu tun haben, will ich ihnen natürlich allemal.)

Naja, ich kann mich mit Menschen in Notsituationen und mit sexuell aktiven Frauen, sowie mit Menschen, die wenig Geld haben und auf Unterstützung bei medizinischen Eingriffen angewiesen sind, sehr gut identifizieren. Aber auch wenn ich es nicht so unmittelbar könnte, es gibt schlichtweg niemals einen validen Grund aus eigennützigen Motiven heraus auf Solidarität zu verzichten und sogar andere dazu anzustiften, nicht solidarisch zu sein.
Nope.

Donnerstag, 1. November 2012

Spuren eines Mad Man im Tages Anzeiger

von Evelyne



Heute früh war ich im Tram unterwegs zu meinem Assistentinen-Job, da fiel mein Blick auf dieses Inserat des Tagesanzeigers im Züritipp: „Was, wenn ihre Sekretärin einen spannenderen Job hat als Sie?“ Wird da gefragt. Es soll wohl Führungskräfte mit eigener Sekretärin dazu animieren darüber nachzusinnen, wie erfüllend ihr Job wirklich ist. Denn was wäre schlimmer, wenn sogar noch die Sekretärin interessantere Aufgaben hätte als der gutbürgerliche Arbeitnehmer?
Dieses Inserat bedient sich des alten sexistischen Klischees der Sekretärin, die unter Verfügungsgewalt steht und als Tippse eigentlich nur niedrige Arbeiten verrichten sollte. Ein Bild direkt aus den 50er Jahren – wohl zu viel Mad Men geschaut lieber Werber.
Der Satz impliziert die Vorstellungen, dass es Grund zur Sorge gibt, wenn die untergebene Frau interessantere Aufgaben ausführt als MAN selbst. Die gute Sekretärin muss natürlich auch weiblich sein, damit die Abwertung richtig zur Geltung kommt.
Ganz abgesehen davon transportiert das Inserat die Botschaft der gutbürgerlichen Arbeitsmoral, die nicht gebrochen werden darf. Ein Job muss vorhanden sein, auch wenn er vielleicht sehr langweilig ist – aber die Arbeitslosigkeit wäre noch eine grössere Abwertung als Sekretärin zu sein. Also bleibt nur noch der Jobwechsel; natürlich nur für die Führungskraft, nicht für die Sekretärin, die soll weiter tippen bis in alle Ewigkeit.
Das Inserat richtet sich an eine bestimmte privilegierte Gruppe von Lesern, die eine Sekretärin ihr Eigen nennen können. Zeigt das auch, welche Leserschicht der Tages Anzeiger sonst ansprechen möchte? Leute, die wie ich einen Assistentenjob ausführen (der ganz im übrigen spannend ist) werden ausgeschlossen und marginalisiert.

Naja, auch die machistischen Werber in der Serie Mad Men kriegen irgendwann die Quittung und werden wegen ihren antiquierten Ansichten durch Karrierefrauen und gegenwartsgerichtetere Karrieremännern ersetzt. In dem Moment bleibt ihnen wohl das Lachen über die Sekretärin im Halse stecken.


Sonntag, 14. Oktober 2012

Was die Weltwoche wirklich über die Genderstudies sagen wollte

von Evelyne

Also, da war doch was mit der Weltwoche letzte Woche. Haben wir zur Kenntnis genommen, jaja. Aber so wirklich ehrlich war das Ganze nicht: Was die Weltwoche wirklich über Andrea Maihofer und die Irrlehre Gender Studies sagen wollte, aber aufgrund der vermaledeiten political correctness dann doch nicht geschrieben hat (unten das Orginal):

Die Universität Basel war jahrhundertelang ein Hort der Herrschaftssicherung und Bildung für Männer aus der Oberschicht. Erasmus, Bernoulli, Burckhardt und so, das waren noch richtige Wissenschaftler! Aber dann ging es gehörig bergab. Wir deuten jetzt mal in einem Gedankenstrich an, was dann passiert ist: Zulassung der Frauen zum Studium – damit fing alles an. Und dann auch noch die Hippies und bewegten Studenten (aha und auch schon Studentinnen). Man weiss ja wohnin das geführt hat: Geschlechterforschung als eigenständiges Fach, beim Herrgott!

Gegen Frau Maihofer selbst können wir jetzt nicht wirklich viel sagen, wir wollen sie jetzt mal auch nicht auf persönlicher Ebene angreifen wie ihre Kollegen – wir sind da ritterlich galant. Aber sie ist ein Symbol, ja gar eine Allegorie (und das wissen wir ja, Symbole und Allegorien sind immer weiblich, da das Weibliche geschichtslos ist und wunderbar eine Funktion einnehmen kann - aber hier driften wir ja in die Geschlechterforschung ab, beim Herrgott!) für ein zeitgeistiges Modephänomen, das sich wie eine Epidemie ausbreitet. (Hier noch eine Krankheitsmetapher, das war die Idee vom Roger, genial der Mann, hat er sicher von seinem Freund, der sich mit Medizinhistorie auskennt). Also es ist ja so, dass diejenigen belohnt werden, die diesen Genderdings mitmachen. Also die machen Karriere, sieht man ja täglich. Und da das meist Frauen sind, ist das gleich doppelt ärgerlich. Gender Studies als Exzellenzkriterium und wer nicht mitmacht, wird bestraft. Ich sage es Ihnen, masssenweise Geld geht an die Geschlechterforschung, da wird mir ja schwindelig, da sind die Subventionen für die UBS ein Dreck dagegen, beim Herrgott!

So also nehmen wir jetzt mal die Krankheitsmetapher wieder auf: Die Geschlechterstudien wuchern landesweit an jeder Universität. Ein genialer Satz, zeigt die Geschwürhaftigkeit dieses unwürdigen Haufens. Also und jetzt kommts ganz dicke, jetzt listen wir noch auf, wie viele Gender-Vorlesungen es an den Unis gibt und was die für bescheuerte Titel haben, am besten noch mit Kommentar dazu. Also hier hab ich was gefunden, das klingt jetzt aber total nach Elfenbeinturm und unnütz, haha da werden unsere Leser gar nicht verstehen, worums hier überhaupt geht – also ich auch nicht, aber „Selbstaffirmierung und Othering in der europäischen Musikgeschichte“ das klingt also wirklich total abgehoben, beim Herrgott! Also diese Anderen, diese Genderstudies-Leute, die haben ja wohl den Kontakt zum normalen Wutbürger völlig verloren. Jetzt erwähnen wir noch die Dissertantin von Frau Maihofer, die über "den repressiven Umgang mit Linksterroristinnen in der Schweiz und das brüchige Wir des männlichen Staatsbürgers" promovierte, also der angeblich repressive Umgang, so ists besser. Gibt es noch Fragen? Also ich denke nicht, denn mein Ich und auch unser Wir ist gar nicht brüchig, dafür sorgen ich und meine Zeitung schon, beim Herrgott!

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Beschönigter Text in der Weltwoche:

Die stolze Universität Basel, die seit dem Ausgang des Mittelalters immer wieder die besten Köpfe angezogen und hervorgebracht hat – von Erasmus von Rotterdam über den Mathematikerclan der Bernoullis bis zum Historiker Jacob Burckhardt –, ist der erste und bislang «einzige Ort» der Schweiz, an dem man Geschlechterforschung «als eigenständiges Fach» studieren kann. Federführend ist das Zentrum Gender Studies, das Andrea Maihofer aufgebaut hat.

Die Geschlechterforscherin ist persönlich erfrischend offen und diskussionsfreudig. Aber sie repräsentiert ein zeitgeistiges Modephänomen, das sich wie eine Epidemie ausbreitet. Doch nicht nur das: Wer den Trend mitmacht und Forschung – wozu auch immer – unter dem Gender-Aspekt betreibt, erwirbt sich einen Zugangscode zu Karrieren, Fleischtöpfen, Fördergeldern. International, schreibt das Basler Zentrum, seien die Gender Studies «längst zum Exzellenzkriterium der Universitäten geworden». Wer mitsurft, wird ausgezeichnet. Wer sich widersetzt, wird abgestraft.

Daher wuchern die Geschlechterstudien landesweit an jeder Universität. Allein für das laufende Semester listet die Plattform www.gendercampus.ch 123 Gender-Vorlesungen auf. Die Uni Basel etwa bietet eine Ringvorlesung zu «Selbstaffirmierung und Othering in der europäischen Musikgeschichte» an. Eine Dissertantin von Andrea Maihofer promovierte mit der Arbeit «Gendering Terror» über den angeblich repressiven Umgang mit Linksterroristinnen in der Schweiz und das «brüchige Wir des männlichen Staatsbürgers». Noch Fragen?

Freitag, 8. Juni 2012

Das Märchen von der Jungfräulichkeit


















von Jasmine


Ich war gestern Abend im Kino und habe mir den Film Virginity Tales von Mirjam von Arx angeschaut, hier für alle den Trailer:

falls jemand das erste Lied kennt, es läuft mir seit gestern nach, konnte es aber nirgendwo finden.. ? :-)

Also ab hier SPOILER ALERT - für alle jene, die noch nichts über den Inhalt des Films erfahren wollen - nicht weiterlesen! Für alle anderen:

Virginity Tales ist ein Dokumentarfilm, der hauptsächlich die Familie Wilson aus Colorado Springs porträtiert und der erzählt, wie die in den USA sehr bekannten Wilsons das von ihnen initiierte Purity Ball Movement vorantreiben. Bei den Purity Balls handelt es sich um Tanzveranstaltungen, an denen Töchter ihren Vätern ihre Reinheit, sprich sexuelle Enthaltsamkeit, bis zur Ehe versprechen. Die Mädchen tragen weisse Kleider, die Väter geloben, ihre Töchter – auch physisch – zu verteidigen und ihnen zu helfen, bis zur Ehe rein, sprich sexuell enthaltsam zu bleiben; die Väter stecken dann weiter den Mädchen einen Ring an den Finger, der irgendwann einmal durch einen Ehering ersetzt werden wird und zum Schluss wird getanzt – Vater mit Tochter, fast schon als wäre es eine Hochzeit nur eben zwischen Vater und Tochter. Dass dieser Veranstaltung die Idee der Jungfräulichkeit zugrunde liegt, ist etwas für PsychoanalytikerInnen, aber belassen wir’s dabei. Denn sowohl die Wilsons, als auch das von ihnen angestossene Movement liessen sich enorm leicht ins Lächerliche ziehen und es ist dem Film zu Gute zu halten, dass dies nicht geschieht, denn zum (Aus-)Lachen ist die Sache nicht.

Ich habe gestern beim gedanklich Wiederkauen des Gesehenen zwei sich widersprechende Gedanken bemerkt, die sich (unkritisch) in meinem Kopf ein Rededuell lieferten:

1.     die prüden evangelikalen Amerikaner finden neue Wege, die ganz und gar nicht subtile Unterdrückung von Mädchen und Frauen wieder salonfähig zu machen, sie instrumentalisieren das allgemeine Unwohlsein bezüglich der sexualisierten (Pop-)Kultur um Mädchen das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper abzusprechen, Sexualität generell zu verteufeln und Frauen wieder in die Rolle als Heimchen am Herd zurückzudrängen und das macht mir Angst und macht mich wütend.

2.     die gottverdammte (pun intended) 21. Jahrhundert-Orientierungslosigkeit macht mir aber auch Angst. Wenn es nun also Menschen gibt, die für sich eine Lösung gefunden haben, damit umzugehen, dass die Welt so komplex ist, wie sie ist - why not? Sie haben Antworten. Irgendwie beneidenswert und völlig nachvollziehbar. Wer bin ich, dass ich ihnen sagen dürfte, sie machen es falsch?

Heute ist das alles einmal überschlafen, ich habe mir eine amerikanische Talkshow (der Vater Randy Wilson ist auch als Gast zugegen, ab Teil 2 - einfach rechts die Fortsetzungen anklicken) angesehen zum Thema:
 

und dann noch eine Schweizer Radiosendung (dazu später) angehört und ich verstehe jetzt, dass die beiden Gedanken von gestern sich eigentlich gar nicht widersprechen, sie sind einfach zwei Aufnahmen von unterschiedlichen Standpunkten her:
 So sagt auch Jessica Valenti (Mitbegründerin von feministing.org und eine der Stimmen gegen die Purity Balls in den USA - ich bin übrigens ein erklärter Fan von ihr) in der besagten Talkshow: Es ist völlig okay, wenn einzelne Menschen sich entschliessen, keinen Sex zu haben (ab 6.49 min ist sie zu sehen, im 4. Teil um 2.20 min sagt sie obiges Zitat).Und dem stimme ich vollumfänglich zu, das meine ich damit, wenn ich finde, dass jede(r) für sich einen Weg finden soll, sich in der Welt zurechtzufinden und wenn das über Enthaltsamkeit geht, warum nicht, das ist es, was ich nachvollziehbar finde. Denn es ist ihre persönliche Entscheidung ihre Sexualität so zu leben, wie sie dies wollen – in diesem Falle eben nicht (körperlich). Sei das vor der Ehe oder generell oder während der Ehe, oder auch ohne überhaupt an die Ehe zu denken, weil sie das so wollen.

Das Problem ist aber, dass das Umgekehrte im Weltbild der Wilson-Familie im Spezifischen, aber auch der radikalen Enthaltsamkeitsbewegung (in den USA) nicht funktioniert, weil junge Frauen, und wohl etwas weniger aber auch junge Männer, die sich nicht an diese Purity-Regeln halten, eben nicht rein sind, etwas negatives sind, falsch leben. In der Talkshow ist die Rede von gefallenen Frauen, und im Film reagieren die Wilson-Eltern mit Unverständnis auf die Frage, ob sie es akzeptieren würden, wenn ihre Töchter vorehelichen Sex hätten. Denn eine solche Situation scheint gänzlich undenkbar zu sein. Die Wilsons sprechen dann, offensichtlich von der Frage verwirrt zuerst von unconditional love, die sie ihren Töchtern gegenüber bringen würden, dann sagen sie aber auch, dass, wenn die Töchter in Gefahr seien, der Vater seine Töchter „physisch beschützen“ würde, man denkt dabei an sein Schwert, das er immer mal wieder zu rituellen Zwecken zückt. Die Wilsons fordern also Toleranz gegenüber ihrer Vorstellung davon, wie man tugendhaft und richtig lebt, sind aber nicht bereit, diese Toleranz anderen Menschen mit anderen Lebensentwürfen entgegenzubringen.
Ebenso sagt der Vater Randy im Film, dass auch wenn jemand alle guten Taten leistet, wenn er oder sie dies nicht im Namen Jesus’ macht, diese Person trotzdem in die Hölle komme. Was es dann schon sehr schwierig macht, ihn in seinen Überzeugungen ernst zu nehmen und ihm wohlwollend seine Meinung zuzugestehen (da er das umgekehrt absolut gar nicht tut, kein klitzekleines bisschen).

Die Wilson-Kinder sind allesamt homeschooled, das heisst, die Mutter unterrichtet sie – Kreationismus, keine Einmischung der Regierung ins Persönliche, und da sie von Algebra nichts versteht, betet sie, dass das Wissen darum von Gott kommt... Also diese völlige Abschottung von der Aussenwelt, die mangelhafte Ausbildung der Kinder, die empfinde ich auf individueller Ebene als nicht okay, weil so den Kindern die Chance aberkannt wird, selber denken zu lernen, die Welt selber verstehen zu lernen. Es handelt sich bei den Wilsons um ein völlig in sich geschlossenes System, das totalitär funktioniert, der Anführer ist der Vater. Und dieser wird nicht müde zu betonen, dass es der Wunsch der Kinder sei, rein zu bleiben, er unterstütze und begleite nur. Dass die Kinder sich nie selber entscheiden konnten, wird komplett verleugnet. Und seine Führer-Postition zeigt sich deutlich, wenn er die vor ihm knienden Kinder nacheinander segnet, wenn er den Jungen mit einem Schwert zum Krieger schlägt, wenn er den Mädchen eine Mitgifttruhe trümmert, wenn er den zukünftigen Ehemännern seiner Töchter einen Brief schreibt, wenn er die Kinder selbst verheiratet, wenn seine Frau ihn ihren Leader nennt. Die permanente Verleugnung seiner Machtposition ist schwer verdaulich, vor allem verknüpft mit seiner charismatischen, sanften Art habe ich diesen Mann fast nicht ertragen, der seine Söhne und Schwiegersöhne in den Krieg schickt und seinen Töchtern keine Ausbildung zukommen lässt, sodass die älteste Tochter dann irgendwo auf einer Militärbasis sitzt, alleine zu Hause, wartend darauf, bis (und ob überhaupt) ihr Mann wieder zurück kommt.

Und da liegt nun wieder das Problem nicht hauptsächlich bei den Wilsons, sondern in der Tatsache, dass sie nun als Paradebeispiel für eine enorm mächtige Bewegung stehen – die erzkonservativen Rechten, die auf schreckliche Weise Religion mit Krieg verknüpft. Während nämlich die Frauen rein bleiben bis zur Ehe und dann gute Ehe- und Hausfrauen zu sein haben, werden die Männer zu Kriegern erzogen. Der kleine Junge der Wilsons hat es als grosses Ziel auf die Militärschule Westpoint gehen zu können und dem Feind in die Augen blicken zu können, die bereits verheirateten ältesten Töchter sind beides Army Wives, das heisst, ihre Männer kämpfen in den Kriegen, die die USA führen. Zudem ist Randy politisch sehr engagiert, auch wenn er das fadenscheinig bestreitet: „Es geht nicht um Politik, es geht darum, Entscheidungsträger zu beeinflussen.“ Er ist beim Family Research Council tätig, einem politischen Think Tank, der gegen Frauenrechte (gegen Zugang zu medizinisch sicheren Schwangerschaftsabbrüchen, gegen Zugang zu Verhütungsmitteln, natürlich gegen Sex vor der Ehe), gegen LGBTQ-Rechte (das Hauptengagement ist gegen die sogenannte Gay Agenda, sie vermischen stets Pädophilie mit Homosexualität) kämpft, dafür aber die Todesstrafe befürwortet (so viel zu pro life) und der, ja, ich kann es nicht anders ausdrücken, einen Glaubenskrieg führt/ führen will, gegen jegliche Einmischung des Staates ins Private, für jegliche Einmischung Amerikas in andere Länder, so scheint es.
Hier ein Video, das im Film ebenfalls vorkommt, wo Randy auch involviert ist- den Watchmen on the Wall, eine assoziierte Priestervereinigung, die sich politisch vernetzt:



Und, das muss ich jetzt so ausdrücken, this pisses me off! Die christliche Botschaft instrumentalisieren, um Hass und Krieg und Unterdrückung der Frauen zu propagieren und das noch so verdammt erfolgreich, das finde ich eine äusserst üble und besorgniserregende Sache.

Aber, und das gilt es festzuhalten, diese Bewegung findet ja nicht im luftleeren Raum statt, wie ich bereits angetönt habe und es handelt sich dabei auch nicht um ein Portrait einer US-amerikanischen Freakshow, sondern um eine gesellschaftliche Entwicklung, die auch in meinem Umfeld (was das genau ist, ist ein eigenes Buch wert) spürbar ist. Eine Reaktion auf Haltlosigkeit. Und ich verstehe, wie eine solche Familie und auch wie ein Wissen darum, was gut, was böse ist, eine enorme Stabilität gewährt. Dass Väter mit ihren Kindern etwas unternehmen, ist wunderbar, und die Wärme der Wilsons schien nicht nur gekünstelt. Ich plädiere dafür, dass jeder und jedem das Recht zugestanden wird, den eigenen Weg zu finden, mit Orientierungslosigkeit, mit der Übersexualisierung der Gesellschaft, mit spirituellen/religiösen Fragen umzugehen – ohne Gewalt! Einfach echt ohne Waffen, ohne totalitäre (Familien-)Regimes, ohne die Möglichkeiten der einzelnen Menschen in den Systemen einzuschränken (so weit das möglich ist), ohne Mädchen ihr Recht auf eine Ausbildung und eine eigene Identität, ein eigenes Leben abzusprechen ohne anderen mit Gewalt etwas aufzuzwingen (Stichwort Andersgläubigen, Andersliebenden, Anderslebenden!)

Und nach diesem etwas pathetischen Schluss, aber ich fühle mich im Rahmen dieses Themas wirklich gezwungen, das zu schreiben, auch wenn es eigentlich klar sein sollte, noch der Link zur oben erwähnten Radiosendung von DRS1 – die sich mit dem Mythos Jungfräulichkeit auseinandersetzt:


 Nicht nur im Bezug auf die neue Keuschheitsbewegung, sondern mit Blick auch auf früher, was es z.B. bedeutet hat, wenn im Frauen im Kloster und nicht in einer Ehe lebten, dass es medizinisch eben ein so etwas wie Jungfräulichkeit gar nicht gibt und auch fragt, was denn die Jungfräulichkeit überhaupt beenden (?) kann - nur vaginaler heterosexueller Geschlechtsverkehr? Zudem sprechen drei Menschen zum Thema, wie sie die Frage Jungfräulichkeit für sich geklärt haben und eine Kulturwissenschaftlerin erläutert den Kontext und spricht über ihre Untersuchungen zum Thema. Sehr empfehlenswert!!