von Evelyne Ein Western von Quentin Tarantino, in dem ein Sklave frei wird und sich zusammen mit einem Kopfgeldjäger auf die Mission begibt seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) zu retten. Ein Abenteuer, das zeigt, wie Django (Jamie Foxx) wie einst Siegfried versucht seine Brünnhilde zu befreien.
Dr. Schulz und Django
Ein Film der sich in ein schwieriges Territorium begibt. Tarantino stellt das vor-Bürgerkriegs Amerika des Südens auf seine eigene Weise dar und wird genau dafür kritisiert. Auffallend ist die wiederholte Zurschaustellung des nackten schwarzen Körpers. So werden die Mandingo-Kämpfer gezeigt, verschlungen in einem gnadenlosen Kampf um Leben und Tod. (Der Mandingo-Sport ist nicht klar belegt, Tarantino bediente sich dieses Mythos für die Schlüsselhandlungen seines Films) Django hängt zu Ende nackt und kopfüber von der Decke und es gibt auch eine Szene in der er badet. Broomhilda wird nackt in einem Loch im Boden gezeigt und die Peitschenmale auf ihrem Rücken werden zur Schau gestellt. Es werden ausschliesslich schwarze Körper so gezeigt. Sehr oft ist die Nacktheit verbunden mit Gewalt und Bestrafung. Diese Gewalt wird wiederholt vorgeführt und übersteigert.
Neben der Darstellung von Körpern wurde auch die sehr häufige Verwendung des N-Wortes im Film kritisiert. Jelani Cobb meint im New Yorker gar „ Had the word appeared any more often it would have required billing as a co-star.“ An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass insbesondere die Bösewichte des Filmes sehr oft von dem Wort Gebrauch machen. So der Plantagenbesitzer Candie (für einmal richtig böse und mit schlechten Zähnen: Leonardo di Caprio) und sein Hauptsklave Stephen (Samuel L. Jackson), der in seiner Verachtung der eigenen Leute eine Reminiszenz an die Onkel Tom Figur darstellt. Djangos Begleiter Dr. King Schulz (Christoph Waltz) schreckt vor dem Gebrauch des Wortes zurück und Django benutzt es vor allem in seiner Darstellung eines Mandingo-Experten. Die Bösewichte dieses Filmes werden fast ohne Sympathie und nicht als Anti-Helden dargestellt, sondern sind dafür da gehasst zu werden. Die zweischneidigen Figuren sind bei diesem Film die Helden Django Freeman und Dr. King Schulz.
The fastest gun in the west
Django ist ohne Frage ein Westernheld, wortkarg und cool, er wird als fastest gun in the west bezeichnet. Aber er scheint ohne Mitgefühl für das Schicksal der Sklaven zu sein und richtet kein einziges freundliches Wort an einen von ihnen (ausgenommen seine Frau Broomhilda). Krass erscheint die Szene in der er auf dem Weg nach Candies Farm reitend einem Sklaven von oben herab befiehlt ihn nicht anzusehen. Schulz bespricht sich daraufhin mit ihm und äussert sein Unwohlsein über Djangos Umgang mit den Sklaven. Django hingegen hat verstanden, dass er genau mit diesem Akt das Interesse und die Neugier von Candie geweckt hat. Die Herabsetzung der Sklaven gehört zu seinem Akt, das ihn seinem Ziel – der Befreiung seiner Frau - näher bringt. Djangos Figur wirkt deshalb so stark, weil sie den anderen schwarzen Figuren des Filmes so krass entgegen steht. Keine/r der anderen zeigt auch nur einen Ansatz der Auflehnung gegen die Sklaverei. Django wird von den Schwarzen ebenso schief angeschaut wie von den Weissen. Er stellt ein Rätsel dar. Candie spricht an einer Stelle von dem Sklaven, der den einen unter Zehntausend darstellt, der besonders stark oder intelligent ist und deshalb mehr als ein Sklave sein kann. Er spricht erst über einen seiner Mandingo-Kämpfer und meint dann sofort erkannt zu haben, dass Django so einer unter zehntausend sei.
Django bezieht sich am Ende noch einmal auf diese Bemerkung Candies, bevor er Candyland endgültig dem Erdboden gleich macht. Er verkündet seinem Gegner Stephen, dass er der eine unter Zehntausend sei, der kühn genug sei jeden zu töten, der in seinem Weg zur Freiheit stehe. Diese Rede von dem Einen unter Zehntausend bedient sich der Trope der Sklaven, die sich nicht auflehnen und wehren und ist daher sehr problematisch. Ist Django tatsächlich so alleine in seiner Auflehnung? „Django have you always been alone?“ Wie es im Titelsong heisst. Im Film scheint es so.
Stephen ist ein Charakter, der nicht nur die Auflehnung ablehnt, sondern die Sklaverei zudem aktiv unterstützt. Zu Beginn lernen wir ihn als eine Art Hofnarr kennen, der sich dagegen wehrt, dass Django als Schwarzer in einem Zimmer im Haupthaus schlafen und wie ein Gast behandelt werden soll.
Stephen streitet mit Mr. Candie
Doch hinter seinem spielerischen, übertriebenen und humoristisch hervorgebrachten Protest steckt grosses Gewaltpotential. Er spricht davon, die Bettlaken in denen Django geschlafen hat danach verbrennen zu müssen. Er ist es schliesslich auch, der Broomhilda und Django verrät und der auch nachdem sein Besitzer tot ist, die Ordnung aufrecht erhält. Sein Verhältnis zu Candie ist aber interessanterweise mit dem von Django und Dr. Schulz vergleichbar. Candie vertraut Stephen, wenn auch nur hinter verschlossenen Türen und folgt seinen Anweisungen.
Stephen durchschaut Broomhilda
So ist es schliesslich nicht der fiese Plantagenbesitzer Candie, der Djangos Endgegner darstellt, sondern Stephen, der sich mit Leib und Seele dem Sklaventum verschrieben hat. Während Candies Ableben der Anfang des Showdowns darstellt, ist der Tod Stephens sein Endpunkt. Gleichzeitig mit Cadie stirbt auch Dr. Schulz und Django ist von diesem Zeitpunkt an auf sich alleine gestellt. Seine wahre Befreiung hatte auf dem Weg nach Candyland begonnen, als er Schulz erklärte, dass er sehr wohl genau wisse wie er Candie um die Finger wickeln könne. Zu diesem Zeitpunkt hörte er auf zu fragen und zu zweifeln und seine Emanzipation von seinem weissen Begleiter Schulz begann. Nach dessen Tod ist er nun dazu bereit, seine Reise alleine fort zu setzen.
Nachdem er die Sklaven raus geschickt hat – mit Ausnahme von Stephen natürlich – macht er Candyland und seine Bewohner dem Erdboden gleich. In diesem Moment wird auch seine Frau Broomhilda, die zuvor eher still war und vor allem die Funktion hatte gerettet zu werden, handlungsfähig. Das Bild, wie sie sich graziös die Finger an die Ohren hält, bevor das Haus explodiert und wie sie anschliessend das Gewehr in die Hand nimmt und mit Django davonreitet ist episch. Es zeigt, dass Django nun nicht mehr alleine ist in seinem Kampf um die Freiheit.
Es wäre wünschenswert, dass der Film dies noch klarer gemacht hätte, er konzentriert sich jedoch sehr stark auf die Figur des Django und dessen Stilisierung. Dies geschieht auf Kosten des subversiven Potentials der anderen Figuren.
Es ist eine 4-teilige Miniserie, die Fans von Empirekleidern, höflichen Knicken und galanten Herren begeistern wird. Doch nicht nur die, denn Jane Austens Pride and Prejudice wird in Lost in Austen durch Amanda Price, die sich aus der Gegenwart dorthin verirrt ziemlich durcheinander gebracht. Sie stellt fest: „Hear that sound, George? Duh-uh-uh-uh! That's Jane Austen spinning in her grave like a cat in a tumble-dryer.”
Amanda Price lebt in London der Gegenwart und ist mit ihrem Leben ziemlich unzufrieden, sie sitzt am liebsten auf dem Sofa und liest schmachtend Pride and Prejudice. Da öffnet sich auf einmal eine Tür in ihrem Badezimmer und Elizabeth Bennet steht vor ihr. Die beiden tauschen mehr oder weniger freiwillig die Plätze und so findet sich Amanda plötzlich im 19. Jahrhundert wieder, in einem Buch das im 19. Jahrhundert spielt genauer gesagt.
Amanda trifft Elizabeth Bennet
Sie wird Teil der Geschichte und nichts läuft mehr so, wie es geschrieben steht. Betrunken von Punsch knutscht Amanda Mr. Bingley auf einem Ball, worauf sich dieser angesichts solch ungewöhnlicher Avancen in sie statt in Jane verliebt. Sie wird ihn erst mit der Behauptung wieder los, dass sie auf Frauen stehe. Amanda versucht alles, um die Geschichte wieder ins Lot zu bringen, verspricht gar den garstigen Mr. Collins zu heiraten, der sich gerne in seiner Hosentasche kratzt und dann intensiv an seinen Fingern riecht.
Bei Lost in Austen ist alles ein bisschen übertrieben, aber gerade diese Übertreibung ist grandios. Ein einzelner Mensch aus der Zukunft beeinflusst die ganze Geschichte und das Denken der Figuren. Sie beginnen sich nach einem aufregenderen Leben, das weniger limitiert ist zu sehnen. Wir erfahren auch so einiges über die Figuren, das wir noch nicht wussten. Caroline Bingley macht Amanda Avancen und outet sich als homosexuell. Der durchtriebene Wickham gibt sich zwar als Opportunist, ist jedoch grundanständig und seine Verfehlungen gegen Georgiana unwahr. Mr. Darcy ist durch den Blick einer Frau unserer Zeit noch unerträglicher und arroganter als je zuvor. Allerdings holt Amanda bald das Beste aus ihm raus, schickt ihn in Reminiszenz an Colin Firth in einem weissen Hemd ins Wasser und traut ihren Augen kaum: „I am having a bit of a strange post-modern moment here.“ Mr. Darcy: „Is that agreeable?“ Amanda Price: „Oh, yes. Yes.”
Is that agreeable?
Der phlegmatische Mr. Bennet (gespielt von Hugh Bonneville alias Robert Crawley) wird durch Amanda dazu gebracht endlich einmal zu handeln und sich für seine Familie zu interessieren und Mrs. Bennet und Jane sagen der gehässigen Lady Catherine de Bourgh endlich einmal gründlich die Meinung, als diese sich wieder einmal aufspielen und einmischen will. „I say this. You are a prig, Madam, a pander and a common bully. And you cheat at cards! Do you suppose you may enter my house and brandish your hat at me thus?“
So klingt Mrs. Bennet auf einmal wie Musik in den Ohren und nicht mehr wie die ewig nörgelnde Glucke, als die sie bei Austen erscheint.
Am Ende treffen sich Elizabeth und Amanda wieder im modernen London und machen sich auf zum Haus der Bennets, Liz bestellt und zahlt gleich ein Taxi übers Internet und gesteht, in der falschen Zeit geboren zu sein und sich hier sehr wohl zu fühlen.
Liz hat sich verändert
Am Ende beschliessen beide, nicht mehr in ihr altes Leben zurückzukehren. Amanda traut sich die Geschichte von Pride and Prejudice endgültig zu brechen und entscheidet sich für Darcy.
Elizabeth eröffnet ihrem Vater, dass sie wieder weggehen wird und befürchtet, dass ihre Mutter sehr wütend darüber sein wird. Der Vater meint dazu: “If you go your mother will never see you again but if you don’t then I will never see you again.” (Jane Austen Fans wird dieser Satz bekannt vorkommen.
In Lost in Austen werden aus den Bennet-Girls zwar keine Revoluzzerinnen, sie werden aber durch Amanda dazu gebracht die Werte der Zeit zu hinterfragen. Insbesondere die Männer sind von der seltsam gekleideten und sprechenden Frau verunsichert.
So empfehle ich die Miniserie jeder und jedem, die oder der Jane Austen Verfilmungen liebt, sich dabei jedoch nach mehr Leidenschaft und Sass sehnt.
So, da steht nun schon seit ein paar Wochen eine riesige Wunderlampe vor dem ETH Zentrum Hauptgebäude, denn diesen Samstag findet mal wieder der Polyball statt. Diesmal unter dem wunderbar exotischen Motto:
SCHEHERAZADE - 1000 GESCHICHTEN UND EINE NACHT
Mit Wunderlampe - und ist das im Hintergrund etwa ein Minarett? In Zürich?!
wie auf der Homepage des Polyballs geschrieben steht:
"Wir möchten unsere Gäste in diesem Jahr in den märchenhaften Orient
entführen, dort, wo die Grenzen zwischen Geschichte und Wirklichkeit
fliessend sind und an jeder Ecke neue Eindrücke und Wunder warten." Aha, so ist das also.
und weiter:
"Denn dieses Jahr warten am Polyball die Geheimnisse des Orients darauf,
von Ihnen gelüftet zu werden, die alten Geschichte werden Sie entführen
in eine traumhafte, exotische Welt, die zum Tanzen, Feiern und Geniessen
einlädt und Sie nicht mehr loslassen wird."
Und wenn der Orient dann schon das Motto des Abends ist, gibt es natürlich auch allerhand lustige orientalische Dinge zu tun. Von exotischen Speisen und Gewürzen, über Alladin und Karawanen, hin zu Ali Baba werden alle Klischees vom lüsternen exotischen Orient abgedeckt. Ja es gab sogar eine Werbeaktion mit Kamelen auf der Polyterasse (ja, ernsthaft!!):
Fast schon erstaunlich, dass nicht noch ein exklusives, geheimnisvolles Harem-Erlebnis für "den Zürcher Studenten" abgeboten wird. Obwohl die Anpreisung des geheimnisvollen Orients an ein "Sie", das als ein europäisches, schweizerisches, studentisches Sie gedacht wird, auch ohne Harem haarsträubend genug ist.
Es gibt da so eine Sache, die heisst Orientalismus, liebe Polyball-OrganisatorInnen. Und das Mystifizieren dieser geografischen Region, die es übrigens sehr real gibt und die kein Märchen ist, ist die eine Seite der Orientalismus-Medallie. Die andere Seite lautet schnell zusammengefasst in etwa folgendermassen: "Die unaufgeklärten Araber unterdrücken ihre Frauen." Es scheint sich bei diesen beiden Dingen nicht um dasselbe zu handeln, tut es aber doch, da über beide Wege - das Zelebrieren des erotischen, exotischen, geheimnisvollen Orient, wie auch über die sogenannte Kopftuchdebatte nicht nur eindeutig ein scheinbar homogener Raum geschaffen wird, der nicht hier ist, sondern dieser auch abgewertet wird. Denn auf diesen Raum lässt sich bequem alles hier (sprich im "Westen" oder in Europa) Unerwünschte projizieren: Er, der andere Ort, der Orient, ist nicht nach Regeln des rationalen Denkens (wie gerade die ETH dies ja bestimmt von sich behauptet) strukturiert, sondern konstituert sich über "niedere Triebe". Der gewalttätige "arabische" Mann auf der einen Seite, der (im Gegensatz zum "westlichen" Mann) seine Frau unterdrückt; die verführerische "arabische" Frau auf der anderen Seite (die sich gerne dem "westlichen" Mann und seinen heimlichen Begierden annimmt).
Womit wir bei Scheherazade wären. Sie ist die Frau, die in der Märchensammlung "Tausendundeine Nacht" als Erzählerin der einzelnen Geschichten auftritt. Sie erzählt die Geschichten um zu überleben, denn der von seiner Frau betrogene König lässt Scheherazade nur deshalb nicht nach der Hochzeitsnacht umbringen, wie viele Frauen vorher, weil sie eben so gut erzählen kann. Und das macht sie dann 1001 Nacht lang, wonach der König sich entschliesst, sie nun nicht mehr zu töten, weil sie ihn davon überzeugen konnte, dass Frauen klug und treu sein können (wenn sie es nicht sind, gehören sie ermordet). Und an dieser Stelle kommt mein Lesetipp - ein echt verdammt gutes Buch, das den bezeichnenden Titel "I Killed Scheherazade. Confessions of an Angry Arab Woman." trägt. Geschrieben von der libanesischen Schriftstellerin Joumana Haddad.
"Dear Westerner" schreibt sie und richtet dieses Buch direkt an die Leserschaft aus dem Westen und rechnet fulminant mit den Fremdzuschreibungen ab, die ihr als "arabische Frau" zugeschrieben werden: "I am not interesting because I am 'Arab'. I am not interesting beacause I am an 'Arab woman'. I am not interesting because I am an 'Arab woman writer'. (What a disastrous classification, especially for a label-phobic like me.)" Sie erzählt ganz im Sinne von das Persönliche ist Politisch ihre persönliche Geschichte und schreitet im letzen Kapitel zur Tat - zur Ermordung von Scheherazade, da der Mythos um sie verletzend und einschränkend ist.
Ich lasse euch gleich einen Teil dieses letzen Kapitels lesen (weil's so schön und gut ist), vorher aber nochmals zurück zu den PolyballorganisatorInnen: Nächstes Mal vielleicht überlegen, ob das-so-tun-als-wären-wir-zu-Besuch-in-einem-fremden-"Land" wirklich so eine gute Idee ist. Und ich kann euch die Antwort gerade geben: Nein. Bitte nächstes Mal nur ein klitzekleines Bisschen mehr Feingefühl und Reflexionswillen an den Tag legen. Ich meinerseits verkleide mich am Samstag Abend jedenfalls nicht als Jasmine, um mit Alladin auf seinem fliegenden Teppich Wasserpfeife zu rauchen. Und alle die das Lesen: Das besagte Buch ist eine sehr gute Alternative!
Und hier also das versprochende Zitat von Joumana Haddad:
"I've never been a big fan of Scheherazade. (...) You see, Scheherazade is constantly celebrated in our culture as an educated woman who was resourceful, and imaginative, and intelligent enough to save herself from death by bribing 'the man' with her endless stories. But I've never really liked this 'bribing the man' scheme. For one thing, I believe it sends women the wrong message: 'Persuade men, give them the things that you have and they want, and they'll spare you.' Correct me if I'm wrong, but it seems obvious that this method puts the man in the omnipotent position, and the woman in the compromising, inferior one. It does not teach women resistance and rebellion, as implied when the character of Scheherazade is discussed and analysed. It rather theaches them concession and negotiation over their basic RIGHTS. It persuades them that pleasing the man, wheter by a story, or a nice meal, or a pair of silicone tits, or a good fuck, or whatever, is the way to make it in life.
And this is considered inventiveness?
And this is considered resistance?
Call me short-sighted, but I don't think so.
I've never been a big fan of Scheherazade - who, to make matters worse, is nauseatingly cherished by the Orientalists - even though I really loved reading and re-reading The Arabian Nights. Her character, I am convinced, is a conspiracy against Arab women in particular and women in general. Obviously, the poor lady did what she had to do. I am not judging her for that. In fact, I might have very well done the same, had I been in her delicate position. I've just had enough of people (especially in the West, but in the Arab world as well) turning her into a heroine, the symbol of Arab cultural female opposition and struggle against men's injustice, cruelty and discrimination. She's just a sweet gal with a huge imagination and good negotiation skills. Things simply needed to be put into their right perspective.
Thus, I killed her."
Nachdem ich heute diesen Artikel gelesen habe : feministisches Burnout, dachte ich, ich schreibe jetzt mal über was Schönes. Werbung ist ja nicht dafür bekannt, kritisch gesellschaftliche Gegebenheiten zu hinterfragen, sondern (offensichtlich) dafür, dass sie etwas verkaufen will. Umso erfreulicher, wenn darin (Geschlechter-) Stereotype gebrochen werden, wie bei dieser Migrosbank-Werbung, die auf dem Tagi-Online zuoberst angezeigt wird seit ein paar Tagen:
da taucht ein Typ auf, in Lederhosen und T-Shirt, in einer rosa Welt
und kriegt die Möglichkeit, sich Wünsche zu erfüllen
und wünscht sich ein rosa Tütü, was er auch bekommt
in seinem zweiten Wunsch
wünscht er sich dann ein Motorrad
und im dritten seine Freunde, die sich mit ihm an seinem Tütü und seinem Motorrad erfeuen
Und dies alles ganz ohne unterschwellig transphobe/sexistische Botschaft. Ein Mann kann also sowohl ein Tütü anziehen, Motorrad fahren und Freunde haben. Und wer weiss, vielleicht braucht er dazu ja nicht einmal dieses Online-Sparbuch der Migrosbank? Oder ist das dann doch zu rosarot gedacht?
Heute früh war ich im Tram unterwegs zu meinem Assistentinen-Job, da fiel mein Blick auf dieses Inserat des Tagesanzeigers im Züritipp: „Was, wenn ihre Sekretärin einen spannenderen Job hat als Sie?“ Wird da gefragt. Es soll wohl Führungskräfte mit eigener Sekretärin dazu animieren darüber nachzusinnen, wie erfüllend ihr Job wirklich ist. Denn was wäre schlimmer, wenn sogar noch die Sekretärin interessantere Aufgaben hätte als der gutbürgerliche Arbeitnehmer?
Dieses Inserat bedient sich des alten sexistischen Klischees der Sekretärin, die unter Verfügungsgewalt steht und als Tippse eigentlich nur niedrige Arbeiten verrichten sollte. Ein Bild direkt aus den 50er Jahren – wohl zu viel Mad Men geschaut lieber Werber.
Der Satz impliziert die Vorstellungen, dass es Grund zur Sorge gibt, wenn die untergebene Frau interessantere Aufgaben ausführt als MAN selbst. Die gute Sekretärin muss natürlich auch weiblich sein, damit die Abwertung richtig zur Geltung kommt.
Ganz abgesehen davon transportiert das Inserat die Botschaft der gutbürgerlichen Arbeitsmoral, die nicht gebrochen werden darf. Ein Job muss vorhanden sein, auch wenn er vielleicht sehr langweilig ist – aber die Arbeitslosigkeit wäre noch eine grössere Abwertung als Sekretärin zu sein. Also bleibt nur noch der Jobwechsel; natürlich nur für die Führungskraft, nicht für die Sekretärin, die soll weiter tippen bis in alle Ewigkeit.
Das Inserat richtet sich an eine bestimmte privilegierte Gruppe von Lesern, die eine Sekretärin ihr Eigen nennen können. Zeigt das auch, welche Leserschicht der Tages Anzeiger sonst ansprechen möchte? Leute, die wie ich einen Assistentenjob ausführen (der ganz im übrigen spannend ist) werden ausgeschlossen und marginalisiert.
Naja, auch die machistischen Werber in der Serie Mad Men kriegen irgendwann die Quittung und werden wegen ihren antiquierten Ansichten durch Karrierefrauen und gegenwartsgerichtetere Karrieremännern ersetzt. In dem Moment bleibt ihnen wohl das Lachen über die Sekretärin im Halse stecken.
Also, da war doch was mit der Weltwoche letzte Woche. Haben wir zur Kenntnis genommen, jaja. Aber so wirklich ehrlich war das Ganze nicht: Was die Weltwoche wirklich über Andrea Maihofer und die Irrlehre Gender Studies sagen wollte, aber aufgrund der vermaledeiten political correctness dann doch nicht geschrieben hat (unten das Orginal):
Die Universität Basel war jahrhundertelang ein Hort der Herrschaftssicherung und Bildung für Männer aus der Oberschicht. Erasmus, Bernoulli, Burckhardt und so, das waren noch richtige Wissenschaftler! Aber dann ging es gehörig bergab. Wir deuten jetzt mal in einem Gedankenstrich an, was dann passiert ist: Zulassung der Frauen zum Studium – damit fing alles an. Und dann auch noch die Hippies und bewegten Studenten (aha und auch schon Studentinnen). Man weiss ja wohnin das geführt hat: Geschlechterforschung als eigenständiges Fach, beim Herrgott!
Gegen Frau Maihofer selbst können wir jetzt nicht wirklich viel sagen, wir wollen sie jetzt mal auch nicht auf persönlicher Ebene angreifen wie ihre Kollegen – wir sind da ritterlich galant. Aber sie ist ein Symbol, ja gar eine Allegorie (und das wissen wir ja, Symbole und Allegorien sind immer weiblich, da das Weibliche geschichtslos ist und wunderbar eine Funktion einnehmen kann - aber hier driften wir ja in die Geschlechterforschung ab, beim Herrgott!) für ein zeitgeistiges Modephänomen, das sich wie eine Epidemie ausbreitet. (Hier noch eine Krankheitsmetapher, das war die Idee vom Roger, genial der Mann, hat er sicher von seinem Freund, der sich mit Medizinhistorie auskennt). Also es ist ja so, dass diejenigen belohnt werden, die diesen Genderdings mitmachen. Also die machen Karriere, sieht man ja täglich. Und da das meist Frauen sind, ist das gleich doppelt ärgerlich. Gender Studies als Exzellenzkriterium und wer nicht mitmacht, wird bestraft. Ich sage es Ihnen, masssenweise Geld geht an die Geschlechterforschung, da wird mir ja schwindelig, da sind die Subventionen für die UBS ein Dreck dagegen, beim Herrgott!
So also nehmen wir jetzt mal die Krankheitsmetapher wieder auf: Die Geschlechterstudien wuchern landesweit an jeder Universität. Ein genialer Satz, zeigt die Geschwürhaftigkeit dieses unwürdigen Haufens. Also und jetzt kommts ganz dicke, jetzt listen wir noch auf, wie viele Gender-Vorlesungen es an den Unis gibt und was die für bescheuerte Titel haben, am besten noch mit Kommentar dazu. Also hier hab ich was gefunden, das klingt jetzt aber total nach Elfenbeinturm und unnütz, haha da werden unsere Leser gar nicht verstehen, worums hier überhaupt geht – also ich auch nicht, aber „Selbstaffirmierung und Othering in der europäischen Musikgeschichte“ das klingt also wirklich total abgehoben, beim Herrgott! Also diese Anderen, diese Genderstudies-Leute, die haben ja wohl den Kontakt zum normalen Wutbürger völlig verloren. Jetzt erwähnen wir noch die Dissertantin von Frau Maihofer, die über "den repressiven Umgang mit Linksterroristinnen in der Schweiz und das brüchige Wir des männlichen Staatsbürgers" promovierte, also der angeblich repressive Umgang, so ists besser. Gibt es noch Fragen? Also ich denke nicht, denn mein Ich und auch unser Wir ist gar nicht brüchig, dafür sorgen ich und meine Zeitung schon, beim Herrgott!
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Beschönigter Text in der Weltwoche:
Die stolze Universität Basel, die seit dem Ausgang des Mittelalters immer wieder die besten Köpfe angezogen und hervorgebracht hat – von Erasmus von Rotterdam über den Mathematikerclan der Bernoullis bis zum Historiker Jacob Burckhardt –, ist der erste und bislang «einzige Ort» der Schweiz, an dem man Geschlechterforschung «als eigenständiges Fach» studieren kann. Federführend ist das Zentrum Gender Studies, das Andrea Maihofer aufgebaut hat.
Die Geschlechterforscherin ist persönlich erfrischend offen und diskussionsfreudig. Aber sie repräsentiert ein zeitgeistiges Modephänomen, das sich wie eine Epidemie ausbreitet. Doch nicht nur das: Wer den Trend mitmacht und Forschung – wozu auch immer – unter dem Gender-Aspekt betreibt, erwirbt sich einen Zugangscode zu Karrieren, Fleischtöpfen, Fördergeldern. International, schreibt das Basler Zentrum, seien die Gender Studies «längst zum Exzellenzkriterium der Universitäten geworden». Wer mitsurft, wird ausgezeichnet. Wer sich widersetzt, wird abgestraft.
Daher wuchern die Geschlechterstudien landesweit an jeder Universität. Allein für das laufende Semester listet die Plattform www.gendercampus.ch 123 Gender-Vorlesungen auf. Die Uni Basel etwa bietet eine Ringvorlesung zu «Selbstaffirmierung und Othering in der europäischen Musikgeschichte» an. Eine Dissertantin von Andrea Maihofer promovierte mit der Arbeit «Gendering Terror» über den angeblich repressiven Umgang mit Linksterroristinnen in der Schweiz und das «brüchige Wir des männlichen Staatsbürgers». Noch Fragen?
Lady Gaga hatte letzte Woche ein Dinnerdate mit Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London. Ich wage jetzt mal keine Beurteilung ihres Hexenhutes, aber muss doch die Frage in den Raum stellen, was das eigentlich soll. Irgendwie scheint beim Transparenz und Freiheitshelden Assange immer wieder vergessen zu gehen, weshalb er sich überhaupt in der Botschaft verstecken muss: Ihm wird in Schweden zweifache Vergewaltigung vorgeworfen, für die er sich dort vor Gericht verantworten müsste. Aus Angst vor einer Auslieferung in die USA, wo ihm eine Anklage wegen Verschwörung zum Geheimnisverrat droht, entzieht er sich nun seit Monaten der schwedischen Justiz. Verschiedene Zeitungen machen sich derweil in der Sache einen Wettbewerb daraus, die Vergewaltigungsvorwürfe als Verschwörung abzutun und Assange zum Freiheitskämpfer zu stilisieren. Nur selten wird überhaupt in Erwägung gezogen, dass die Vergewaltigungsvorwürfe berechtigt sein könnten. Typisch rape culture eben! Dem mutmasslichen Täter Assange wird wiederholt ein Forum geboten, indem er seine Zweifel am Rechtsstaat äussern kann und eine Verschwörung gegen ihn konstruiert und bedauert wird. Kaum eine Stimme fordert, dass er sich der schwedischen Justiz stellt, damit die Vorwürfe aufgeklärt werden können, bzw. damit eine Verurteilung erfolgen kann. Die schwedische Regierung hat längst versichert, dass sie Assange bei einer Drohenden Todesstrafe nicht an die USA ausliefern würden. Einem Rechtsstaat wie Schweden ist es zuzutrauen, Assange ein faires Verfahren zu ermöglichen.
Ein faires Verfahren haben die beiden Opfer Assanges bisher nicht erhalten. Sie wurden von den Medien vorverurteilt und als Lügnerinnen abgestempelt. Dabei hat Assange nach den Aussagen seines Verteidigers sehr wohl eine Frau penetriert, während sie schlief, was nur ohne ihr Einverständnis erfolgen konnte. Da sie am Tag zuvor konsensualen Sex hatten, wird dies aber in einer rape culture offenbar nicht als Vergewaltigung betrachtet. Dem Vergewaltiger wird das Recht zugesprochen, sich weiterhin am Körper der Frau zu bedienen. Im zweiten Fall bestand eine Frau, auf ein Kondom beim Sex, worauf Assange sie gewaltsam niederwarf und ohne Kondom penetrierte. Auch hier fehlt ganz klar der Konsens und macht diese Handlung zu einer Vergewaltigung. Hier wäre eine Diskussion über rape culture und darüber, wo eine Vergewaltigung beginnt, angebracht, diese findet aber in den Medien nicht statt. Die Vorwürfe werden kaum im Detail besprochen, sondern die Unschuld Assanges ohne Zweifel festgestellt.
Julian Assange hat mit Wikileaks Menschenrechtsverletzungen ans Licht gebracht und immer wieder geheime Regierungsdokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wovon diese ohne Frage profitieren konnte und ein genaueres Bild über die zum Teil fragwürdigen politischen Aktionen von legitimierten Demokratien erhalten hat. Dieser Verdienst hat aber keinesfalls mit den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Mann zu tun.
Leider werden gerade Leute, die sich in einem Bereich verdient gemacht haben, gerne voreilig von jeder Schuld freigesprochen. So auch geschehen im Fall Roman Polanski oder Dominik Strauss Kahn. Im ersteren Fall engagierten sich Künstler gegen die Verurteilung im Zweiten wurde ebenfalls eine Verschwörung vermutet. Bei Strauss-Kahn stürzten sich die Medien kurz nach bekannt werden des Falles auf das Opfer und untersuchten dessen Leben unter teilweise rassistischen und klassistische Implikationen. Nicht der Täter, sondern das Opfer musste sich verteidigen und rechtfertigen, wie es in einer rape culture immer wieder geschieht.
Besonders unverständlich ist, dass gerade linke Kreise sich in der Verteidigung dieser Männer hervortaten und hervortun. (Siehe beispielsweise dieser Text bei „mein Herz schlägt Links“: Vergewaltigung der Menschenrechte,, abgesehen davon wird in diesem Text das Wort Vergewaltigung in einem anderen Zusammenhang verwendet und damit funktionalisiert und marginalisiert.) Links sein bedeutet für mich, sich unbedingt aktiv gegen Sexismus einzusetzen. Leider geht das im Fall Assange, der offenbar eine Lichtgestalt der Transparenz darstellt, vergessen.
Ein bisschen Reflexion würde in diesem Fall nicht schaden. Schaut mit wem ihr euch an einen Tisch setzt, auch du, Mother Monster.
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Nachtrag, 15.10.12: Die Basisgruppe Theater-, Film- und Medienwissenschaft
der Uni Wien hat einen offenen Brief an die künstlerische Leitung des
“brut wien” geschrieben, welches im Oktober das Theaterstück
“Assassinate Assange” aufführen wird. In diesem wird Julian Assange als
entrechteter Märtyrer dargestellt.
Donnerstag, 13. September 2012
Ich veröffentliche hier einen Text, den ich zum Thema "Politische Sprache in der Schweiz" geschrieben hatte und der vom Verleger einer Zeitschrift (der mir das Thema gegeben hatte) mit der Begründung abgelehnt wurde, er sei zu hetzerisch.
Meinungen dazu?
Wenn
Sprache ausschliesst
Von Jasmine
Kriminelle Ausländer,
schleichende Islamisierung, zu verschärfende Kuscheljustiz, zu überwachende
Sozialschmarotzer, zu bremsende Einwanderungsflut, allesamt ausschaffen,
abschieben, getrieben die Anderen, abgeschrieben der Anstand, gross geschrieben
die SPRACHE DER GEWALT. So ist das heute. (War es mal anders?) Auf Plakaten
prangen dunkle Hände, die Schweizer Pässe klauen, Raben, die die Schweiz
fressen wie ein Biskuit, schwarze Kriegsstiefel, die auf die Schweizerfahne
stampfen. Das unschuldige Weiss-Rot ist bedroht, die Heimat gefährdet. Sie muss
verteidigt werden. Das Boot ist voll.
Ach nein, das ist ja was
anderes, lange her, hat mit dem Jetzt nichts zu tun. Der Heimatmythos pflegt
sich besser ohne Auseinandersetzung mit der Geschichte; die traditionellen
Bauernhemden, die tatsächlich in den 1970er Jahren erfunden wurden[1],
geben sich als Urtradition aus. Urschweizerisch, urmännlich, starke Eidgenossen
begiessen sich gegenseitig mit polemischen, populistischen Gedankenergüssen.
Der Schweizer das Opfer? Und die Schweizerin? Ja, die Ausländerin? Aber zurück
zum Schweizer – wenn er das Opfer ist, wer ist dann der Täter? Was ist Schuld
an der Ungerechtigkeit?
Ein Spätkapitalistisches
System, das seine ungerechte Verteilung der Güter immer weniger verschleiern kann?
Die Tatsache, dass die Eltern von 45 Prozent aller Studierenden an einer
Schweizer Universität selber AkademikerInnen sind, dass die soziale
Durchlässigkeit also zu gering ist?[2]
Nein – Schuld sind die
Frauenhäuser, die Asylunterkünfte, die Lehrerinnen-Zimmer, beziehungsweise
deren jeweilige Insassen.
Ach, das ist nur
politisches Geplänkel, das ist ja nicht so ernst zu nehmen, alles halb so
schlimm? Wer es sich einmal antut, auf dem Tagi-Online die Artikel-Kommentare
zu lesen, wird sofort feststellen, wie sehr diese Sprache, dieses trotzige
„Ich-will-jetzt-einfach-etwas-Diskriminierendes-sagen-das-steht-mir-zu-ich-bin-ein-freier-Bürger“
zum Mainstream geworden ist. Herabgestiegen von den zumindest umstrittenen
Hetz-Plakaten, hat sich diese Schamlosigkeit, das eigene soziale Privileg gegen
Minderprivilegierte auszuspielen, geradezu heimelig eingenistet in der warmen,
idyllischen Schweizer Stube. Und dazu ein kühles Bierchen.
Direkte
Demokratie, das abgenutzte, tot geredete Wort. Direkte Demokratie als
diktatorisch eingesetzte Manipulationskeule – so viele Frustwähler, noch mehr
Nichtwähler, zu viele Nichtwahlberechtigte, alle ohne Zugang
-->
zu klaren, sachlichen
Informationen in einer Flut angsterfüllter, wuterfüllter Botschaften. Kaum
entscheidbar, was davon Sinn macht.
Helfen würden da Geschichtsbücher,
um die „Das Boot ist voll“ -Parole richtig verorten und darüber zu erschrecken,
dass sie heute so aktuell wirkt. Nein, es droht keine durchorganisierte
Tötungsmaschine, sondern Chaos, Hunger, Perspektivlosigkeit. Es ist eine andere
Situation, in einer anderen Zeit, mit anderen Menschen, aber der gleiche
Ausschlussrhetorik. Denn diese funktioniert immer gleich: Sie zeichnet „die
Anderen“, die „Nicht-Wir“. Dass sich im „Wir“ niemand sicher fühlen kann, macht
das Zeigen auf die Anderen, das sprachliche Abwerten der Anderen um so wichtiger,
es rettet einen selbst vor dem Ausschluss.
Und so plädiere ich dafür,
in einer Sprache frei von Polemik und Zynismus, kritisch und empathisch zu
bleiben und in dieser unsicheren Zeit den Blick statt hin zu rassistischen
Plakaten zum Leiden anderer hinzuwenden. Und mit den Anderen zu sprechen, nicht über sie. Und plötzlich sind sie wieder Teil des Wir.
1 Tobias Scheidegger "Stoff aus dem Traditionen sind", Rosa 45